Die Stadttaube ist die Nachkommin domestizierter Felsentauben, die über Jahrtausende entkamen oder freigelassen wurden, und heute der weltweit häufigste Stadtvogel. Ihr Gefieder ist berühmt vielfältig — die ursprüngliche schiefergraue „Blaubinden"-Form mit zwei schwarzen Flügelbinden steht neben gefleckten, dunklen, rostroten, weißen, gescheckten und vielen Übergangsmorphen, die in Schwärmen zusammenleben. Hochgradig anpassungsfähig besiedelt sie Straßen, Plätze, Bahnhöfe, Balkone, Brücken und Sims in ganz Europa und ernährt sich ganzjährig von Samen, Brot und menschlichen Resten. Trotz des abwertenden Begriffs „Ratten der Lüfte" zeigt sie bemerkenswerte Problemlösungs-Intelligenz und ist einer der am besten erforschten Vögel der Kognitionsforschung.
Achte auf das orangerote Auge, die weiße Wachshaut am Schnabelansatz und den weißen Bürzel beim Auffliegen — das orange Auge ist das schnellste Erkennungsmerkmal gegenüber jedem anderen grauen Vogel.
Sehr variabel. Am häufigsten ist die ‚Blaubinden'-Form: hell schiefergrauer Körper mit zwei kräftigen schwarzen Flügelbinden, glänzend grün-violetter Halsschimmer und reinweißem Bürzel im Flug. Weitere verbreitete Morphen: ‚Schecke' (starke schwarze Schachbrettzeichnung auf den Flügeldecken), ‚Dunkel'/‚Spread' (fast einfarbig schwärzlich), ‚Rotbinde' (rostbraun mit zwei dunklen Binden), ‚Gescheckt' (unregelmäßige weiße Flecken) und reinweiß. Allen gemeinsam: orangerotes Auge, dunkler Schnabel mit weißer Wachshaut und rosarote Beine.
Den ganzen Tag aktiv
Fast immer in Schwärmen von Dutzenden bis Hunderten — auf Plätzen fressend, auf Sims rastend, an Brunnen trinkend. Stark ortstreu an gewähltes Gebäude oder Platz gebunden.
Wiederholtes, hohles Gurren ‚uhrr-uhrr-uhrr', oft mit Verbeugungs-Balz vor potenziellen Partnerinnen auf Sims und Plätzen.
Sanftes, weiches ‚ruh-kuhrr-kuh' oder rollendes Gurren. Beim Auffliegen lautes pfeifendes Flügelklatschen.
Verbeugungs-Balz: das Männchen plustert den schillernden Hals auf, senkt den Kopf tief und stolziert in engen Kreisen um das Weibchen, dabei tiefes rollendes Gurren — typischerweise auf Stadtsims, Plätzen und Bahnhofsdächern.
Weiß, glatt und unbefleckt, meist 2 Eier je Gelege. Stadtpaare können auf Gebäudesims bis zu 6 Bruten pro Jahr großziehen.
Stadttauben stammen von domestizierten Felsentauben ab und leben seit mindestens 5.000 Jahren mit dem Menschen — eine unserer ältesten tierischen Begleiterinnen.
Die enorme Gefiedervielfalt (Blaubinde, Schecke, Rotbinde, Weiß, Gescheckt, Dunkel) ist ein Lehrbuch-Beispiel für die genetische Vielfalt, die in domestizierten Populationen erhalten bleibt.
Tauben erkennen sich im Spiegel, unterscheiden einzelne menschliche Gesichter und sogar Buchstaben — sie zählen zu den meistuntersuchten Vögeln der Kognitionsforschung.
Beide Elternteile füttern die Küken mit ‚Kropfmilch', einem eiweißreichen Sekret aus dem Kropf — eine Eigenschaft, die sie nur mit Flamingos und männlichen Kaiserpinguinen teilen.
Stadtpaare können bis zu sechs Bruten pro Jahr aufziehen und nutzen die Wärme und den Schutz von Gebäuden zur Brut sogar im Hochwinter.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg überbrachten Brieftauben (dieselbe Art) wichtige Militärbotschaften — viele wurden für ihren Mut ausgezeichnet.
Etwas falsch entdeckt?